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Rezension F. Spring, Sedina Archiv, Dez. 2001
... Auf eine größere Interessentenschar kann sicher die Veröffentlichung der sog. Einwohnerlisten des Rügenwalder Amtes rechnen. Viele pommersche Familienforscher haben Vorfahren im ehemaligen Rügenwalder Amt, das in seiner Ausdehnung das größte pommersche Amt überhaupt gewesen ist. Die beiden Autoren haben die nach der Wende aus Merseburg in das Geheime Staatsarchiv Berlin zurückgekehrten Akten der Amtsverwaltung ausgewertet. In einer Einleitung wird die frühe Geschichte des Amtes knapp umrissen, dann werden die sozialen und wirtschaftlichen Strukturen im 18. Jahrhundert erläutert, wobei vor allem die Verwaltungsbeamten, die Schulzen in ihrem unterschiedlichen Rechtsstatus, Forstbeamte, Heidereiter und Handwerker des Amtes im 18. Jahrhundert Beachtung finden. Auch Königlichen Ackerhöfe (Domänen) und die Mühlen mit ihren Müllermeistern werden erwähnt.
Im dann folgenden Hauptteil werden die Prästationstabellen (PT) von 1731 und für die Jahre bis 1803 die sog. MühIentabellen vorgestellt. Die Mühlentabelln sind für die Erforschung der Familien des Rügenwalder Amtes insofern noch ergiebiger, als sie neben den grundbesitzenden Bauern und Kossäten auch die Einwohner, die lnstleute, kleine Handwerker, i. a. sogar alleinlebende Frauen und alte Leute namentlich erfasst. Eine statistische Auswertung, die einige interessante Erkenntnisse bringt, sowie ein Literatur- und Quellenverzeichnis runden den Band ab.
Leider erschließen weder ein alphabetisches Namensregister, noch ein Orts- oder Sachregister das umfangreiche Material. Ein sogenannter Namensindex soll diesem Manko abhelfen. In diesem Namensindex werden alle in den Listen erfassten Namen auf eine sogenannte Grundform zurückgeführt (z.B. Schwart/Schwartz auf Schwarz oder Schurfantz/Schurvantz(cke) auf Schurwantz) und die Anzahl ihres Vorkommens in einzelnen Dörfern genannt doch erleichtert dies das Auffinden einer Familien nicht wesentlich, da man nun u.U. alle Jahrgänge für ein Dorf durchgehen muss. Auch sind in diesem "Namensindex" nicht die doch recht umfangreichen Namensvorkommen der Einleitung berücksichtigt, so dass diese völlig aus jeglicher alphabetischer Listung herausfallen. Die Idee, Namen auf ihre Grundform zurückzuführen, sollte sicher der Arbeitserleichterung dienen, führt aber in einigen Fällen zu Fehlinterpretationen. So gehört z. B. die Pfarrersfamilie Dreist keinesfalls zu der im Rügenwalder Amt alteingesessenen Familie Dreisow. Auch die Einverleibung der Steinorter Bauernfamilie Schwanz zur Namensgrundform "Schwarz" ist falsch, denn der Name taucht im Kirchenbuch von See Buckow immer ausdrücklich als Schwanz, einige Zeit sogar in der Form "Zwantz" auf. Die Großzügigkeit, mit der alles in diesen Namenindex gepresst wird, hat sich in vielen Lesefehlem fortgesetzt. Allein in der Einwohnerliste von 1770 für Altschlawe, die auf S. 50 der Veröffentlichung als Abbildung beigegeben ist, finden sich im Vergleich von Original und Abschrift 6 Lesefehler! Bei weiteren Stichproben ergab sich, dass fast jede Seite in der Abschrift mit mehreren Fehlern behaftet ist, abgesehen davon, dass die altertümliche Abkürzung H. sicher einfach mit "Herr" zu übertragen wäre ( z. B. "H. Pastor" mit "Herr Pastor"), nicht mit "Hochlöblich", was in diesem Zusammenhang völlig unüblich erscheint. Neben der Überlegung, solche Listen besser in ihrem historischen Kontext zu belassen also jeden Jahrgang für sich darzustellen, was z. B. die mundartlichen Besonderheiten in der Wiedergabe der Familliennamen deutlich machen würde, sollte nicht vergessen werden, dass es sich bei den Akten des Geh. Staatsarchivs Berlin "nur" um zeitgenössische Kopien handelt (die Originale liegen in Stettin), die ihrerseits wiederum bereits eine gewisse Fehlerquote beinhalten.
Beiden hier vorgestellten Arbeiten mangelt es leider an einem sorgfältigen Umgang mit der benutzten Literatur und der Nennung der Quellen. Auch in den einleitenden Kapiteln der "Einwohnerlisten des Rügenwalder Amtes" haben die Verfasser offensichtlich aus sehr viel mehr Quellen geschöpft (hier sei nur beispielhaft die Sammlung Lassahn-Spruth im Verein HEROLD genannt), die gar keine Erwähnung finden. Auch wird nicht deutlich, wo und inwieweit überhaupt die am Schluss der Arbeit genannte Literatur Berücksichtigung fand, da dies nicht im Text durch Fußnoten kenntlich gemacht ist.
Es ist bedauerlich, dass gerade die mit Spannung von vielen Familienforschem erwarteten "Einwohnerlisten" grundsätzliche Mängel aufweisen, die die Freude an der Benutzung sehr trüben und es ratsam sein lassen, die darin gemachten Angaben selbst zu überprüfen.
Felicitas Spring
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Copyright © Mathias Sielaff, Januar 2002